Schreib es dir von der Seele
Im Außen spiegelt sich, was wir im Innern tragen.
Wir erleben, was wir sind...
...nicht ausschließlich, denn es gibt das kollektive Erleben, in dem wir lediglich die Größe und Wichtigkeit eines Atoms haben, aber dennoch als solches am großen Ganzen mitwirken. Insofern erfahren wir, was wir als menschliche Spezies in Gemeinschaft sind. Zeigt sich viel Dunkel in der Welt, dann darum, weil wir alle es nähren. Je klarer der Einzelne ist, umso heller wird die Welt.
Auf unser individuelles Erleben können wir einwirken, indem wir bewusst befreien, was wir an Ungelebtem in uns zurückgestaut haben – Verdrängtes, das wir genau darum weiterhin vermehren. Es ist leicht nachvollziehbar, wie stark uns dieser Umstand ausbremsen kann, wie umfassend er Ausgänge und Eingänge blockieren mag, sodass wir uns im gedrängten Innern eines regelrechten Gefängnisses aus Unvermeidbarkeiten allmählich mehr und mehr im enger werdenden Kreis drehen.
Das Gefühl von Einsamkeit stellt sich oftmals nicht darum ein, weil wir tatsächlich alleine sind, sondern darum, weil wir nicht das kommunizieren können, was für uns wirklich wichtig ist – manchmal nicht einmal wissen, was das ist. Keinen Platz für alle unsere Anteile zu haben und in unserer Ganzheit unverstanden zu sein – auch von uns selbst –, das ist es letztlich, was wirklich einsam macht.
Als Folge des Schweigens und weil wir wissen, nicht aussprechen und ausdrücken können, was uns zutiefst bewegt, halten wir wesentliche Inhalte zurück. Nicht nur „negative“ Gefühle stauen sich dann, sondern auch viele wundervolle, wie die Liebe, die Freude, die Daseinslust.
Unser Körper, der nicht nur eine physische Erscheinung ist, sondern ein Konglomerat von allem Seelischen und Geistigen, sammelt und bewahrt alles in sich, bis es irgendwann/ irgendwie hervorkommen darf. Sämtliche Gefühle werden festgehalten, vor allem auch jene, die nicht in den Ausdruck kommen dürfen, weil sie keinen Platz haben, keine Zeit, keinen Raum, keine bekannte oder zulässige Form. Besonders diejenigen Emotionen, die uns überfordern, werden reflektorisch eingedämmt und zurückgehalten, bis sie an Kraft verloren haben und/ oder bis sie eventuell eine Form gefunden haben, die akzeptabel ist und mit der wir uns sicher fühlen.
Die somatische Psychologie hat erkannt, dass das implizite Gedächtnis – jener Teil des Gedächtnisses, der alltägliche Reaktionen, Verhaltensweisen und Handlungen steuert, ohne dass sie ins Bewusstsein treten – nicht nur für automatisierte Bewegungen wie das Fahrradfahren zuständig ist, sondern vor allem auch für die Speicherung von Emotionen, Stress und traumatischen Erlebnissen. Das Körpergedächtnis hortet alles. Es speichert jede eindrucksvolle Erfahrung als unbewusste Erinnerung ab, wobei Traumata oftmals fragmentiert und ohne jeden bewussten Zusammenhang körperlich fixiert werden. Verspannungen, chronische Schmerzen, fragwürdige emotionale Reaktionen, unerklärliche Verhaltensmuster und seelische wie körperliche Blockaden entstammen unseren unvollständig verarbeiteten Gefühlen und sind Ausdruck unseres ungelebten Lebens, das darauf wartet, hervortreten zu dürfen und – irgendwie – da zu sein.
Unser Nervensystem kennt keine Zeit, wie unser Denken dies tut … und irgendwann kommt der Moment, wo das, was wir zwangsläufig in uns zurückgestaut haben, nach vorn tritt. Manchmal gibt uns nur eine Krankheit den Raum, Ungelebtes ins Dasein freizugeben.
Es gibt erste deutliche Anzeichen, dass wir auf ungelebtem Leben „sitzen“, das in die Freiheit geboren werden will. Das Gefühl der Leere im Herzen, das Zuschnüren der Kehle, die Unruhe im Bauch, die Tränen, die plötzlich aus dem Nichts kommen, die Schlaflosigkeit...
Sie alle sind hilfreiche Weggefährten, die uns zu uns selbst führen möchten. Sie sind nicht etwa störende und fragwürdige Hindernisse auf dem Weg, sondern sie bereiten uns den eigentlichen Weg, indem sie uns die Sehnsucht zeigen, die Möglichkeiten, oder auch die Wunden, die geheilt werden dürfen.
Das Schreiben ist eine wundervolle Methode, sich die Lasten von der Seele zu nehmen und aus dem tiefsten, unbewussten Innern all das zu entlassen, was uns bedrückt und daran hindert, ein erfülltes Leben zu leben. Ganz privat und zurückgezogen von der Welt werden die Worte geschrieben, die nicht gesagt werden konnten, kommen Gefühle zum Ausdruck, die keinen Raum fanden, entstehen Bilder und Symbole. Gerade Gefühle der Enttäuschung und Trauer finden Raum, weil sie von der Vernunft in ihre Schranken gewiesen worden sind, aber auch die euphorische Freude wird nur allzu oft eingedämmt. Auch sie muss sich der Vernunft unterordnen und verweilt gedrosselt und geknebelt im Innern. Ungelebt. Als Kloss im Hals.
Wie viele unserer Lebensumstände würden sich neu erschaffen, würden wir uns von der Seele schreiben, was als Last darauf liegt, was wir mit angehaltenem Atem und furchtsam nicht dem Leben übergeben, sodass wir uns unserer eigenen inneren Freiheit berauben. Wie vieles lichter könnte unser Alltag sein, wenn wir diese Fenster und Türen öffnen und uns mit uns selbst verbinden? Wie viele neue Chancen könnten sich bieten, weil wir den Blick heben und sie wahrnehmen können und außerdem unsere Hände nicht mehr gebunden sind ...?!
In Einzelsitzungen oder, nach Wunsch und in Absprache, bei Gruppentreffen mit maximal vier Teilnehmern erkläre ich die Voraussetzungen und die Methode des therapeutischen Schreibens.
Falls Sie Interesse daran haben, schreiben Sie mir für weitere Details und vereinbaren Sie einen Termin.
GAYA
LebensbegleitungBewusstseinsbildung
Karma - Arbeit